Anja`s Radsportseite
  Ötztaler 2009
 
"30.08.09: Ich habe (wieder) einen Traum...

Alles über Höhenprofil und Strecke findet ihr unter der Ötztaler Startseite!
Ich werde auch Jörgs Email wieder mitnehmen! Sie macht Mut und hält vom Aufgeben ab!


..Leidenschaft...
...Begeisterung...
...Glaube an das Unmögliche...
...Glaube an die eigene Stärke...

...ich glaube an die Bergkönigin...
...ich glaube an Dich - Du schaffst das - impossible is nothing
...Drück Dir die Daumen...


24.8.09: Tja so langsam werde ich nervös! Ob das unter 12h geht, da bin ich mir nach Kranksein und Stress letzte Woche nicht mehr so sicher, wir werden sehen. Am We waren jedenfalls nochmal ein paar Höhenmeter mit Kathi und Andreas angesagt und jetzt kann man sich sowieso nur noch so gut wie möglich ausruhen und natürlich noch was am Rad schrauben. Jedenfalls bin ich überhaupt jetzt froh Richtung Sölden aufbrechen zu können, weil das mit Seminar am Freitag und fast noch 2 Lehrproben nächste Woche doch etwas auf der Kippe stand. Na so kann ich eben erst Samstag los, was sicher kein Vorteil ist. Aber hauptsache das Wetter stimmt jetzt noch einigermaßen.

Ich möchte auch schon jetzt allen für ihre Hilfe Danken, denn das Projekt "Ötztaler" ist alleine nicht zu bewältigen:
- 1000 Dank an Andreas und Kathi! Für letzten Schliff im Training (immer diese Ortsschildsprints), Mentale Unterstützung (Du schaffst das!)
und natürlich für das Fahren nach Sölden und nach Hause bringen und natürlich das Warten im Ziel! Danke!
- Danke an Georg und Maroin, dass ich wieder einen wunderschönen Sommer mit viel Pizza und noch mehr Bergen bei Euch verbringen durfte!
- Danke an Ossi, für viele Stunden gemeinsames Training und natürlich die Begleitung auf Jaufenpass und Timmelsjoch am Renntag!
- an Thomas der sich auch mit mir aufs Timmels quälen will und dem ich das ganze Höhentraining zu verdanken habe:-)
- an Sylvain für das beste Abfahrtstraining der Welt (ja ich hab jetzt endlich verstanden was das mit dem Fliegen lassen in den Kurven heißen soll!) und für die Handschuhe, damit ich falls es denn sein muss auch mal bremsen kann.


Hier gibts am Renntag dann immer von Georg die neusten Infos, wo ich mich gerade befinde. Also leidet mit mir.

Hallo, und guten Morgen

Wer sich über das Klassement und die Durchfahrtszeiten selbst informieren will, hier der Link zur Zeitnehmung:  services.datasport.com/2009/velo/oetztaler/

Das Kühtai ist erreicht um 9,20 Uhr
Rennzeit: 2.25.29     im Vergleich zum letzten Jahr (2.18.30) ein kleiner Rückstand, aber der Tag ist noch lang.....

Innsbruck - Rennzeit: 3.27.36 ,   im Vorjahr: 3.34.53    das Abfahrtstraining mit Sylvain trägt Früchte

Brennerpass - Rennzeit  4.55.47,  im Vorjahr  5.17.53  

Gasteig (Anfang Jaufenpass)   5.35.19    im Vorjahr  6.00.37

Jaufenpass  7.01.46,  im Vorjahr   7.40.21

St. Leonhard:   7.33.57 ,   im Vorjahr  8.21.39

Timmelsjoch:  10.05.02,   im Vorjahr 11.15.22

und im Ziel mit einer sagenhaften Zeit von  10.43.24      im Gegensatz zum letzten Jahr mit  12.00.14

Hey Leute, ich bin wieder zu Hause angekommen und ganz ehrlich, mir tut alles, aber auch alles weh! Das war das Härteste, was ich jemals gemacht habe!
Aber von vorne. Morgens hat Andreas leider erstmal den Fernseher mit dem Wetter von Sölden angemacht und das Thermoter zeigte 3 Grad und am Auto musste man eiskratzen!


Die letzten Präparationen am Rad gingen also nur mit Hilfe bei den schon eisgekühlten Fingern
Also am Start war ich schon tiefgekühlt, aber Kathis und Andreas letzte Anfeuerungsrufe machten etwas warm ums Herz.


und natürlich die gigantische Stimmung

Trotzdem war man am Ende der Abfahrt durch Ötztal einfach nur tiefgefroren und heilfroh dass endlich das Kühtai anfing!
Der Berg mit seinen bekannten Rampen machte aber gottseidank gleich warm nur der Blick auf den Pulsmesser lies das Blut in den Adern gefrieren, wieso ist der schon bei 177????? Das sollte sich auch heute den ganzen Tag nicht mehr ändern, bin immer mit extrem hohen Puls gefahren, aber jedenfalls anfangs gings mir super und so hab ich das einfach ignoriert.


Gute Laune, endlich warm und schon dabei die ersten Männer abzuhängen, was will man mehr???

Plötzlich aber laute Rufe und das ganze Feld stoppte! Was soll das denn? Hatte mich doch gerade erst auf die erste 19% Rampe gefreut! Die bestand aber aus einer Baustelle mit plattgewallstem, rutschigem Schlammboden, wo bereits 2 Autos und ein Krankenwagen querstanden, so dass die Radfahrer nur noch einzeln vorbei konnten. So gabs erstmal einen riesigen Stau und dann 1km zu Fuss, weil irgendwie keiner mehr aufs Rad gekommen ist. So war der Gipfel ziemlich spät erreicht, aber die wunderbare Abfahrt, wo der Tacho mal wieder mehr als 100km/h zeigte entschädigte für alles! 
Dann hatte ich erstmal ziemlichen Respekt vor meinem Hassberg vom letzten Jahr, dem Brenner, der ja eben kein richtiger Berg ist. Diesmal hatte ich aber Unterhaltung von Josef und einem Kameramotorrad und schließlich den Windschatten einer riesigen Gruppe, so dass der flache Teil bald vorbei und es endlich richtig hochging.


Der Brenner war dieses Jahr wirklich fast ein Vergnügen :-)

Da ich ja letztes Jahr eine halbe stunde mit Essen vertrödelt habe, wurde jetzt nur schnell Wasser geholt und eine Banane geschnappt und los gings. In der Abfahrt hab ich dann mit Josef abwechselnd voll Gas gegeben, weil ich mich ja auch schon so auf Ossi gefreut habe!



Er hat schon den ganzen Tag unten am Jaufenpass auf mich gewartet und so gings dann zu dritt in den Anstieg.


Mit Ossi am Jaufenpass. Er fährt natürlich schon aus dem Bild raus:-)

Die Temperaturen waren jetzt richtig angenehm und mit quatschen und Wiedersehensfreude waren die ersten Kilometer schnell vorbei.


Die letzten 3 Kilometer waren dann aber auch schon echt schwer, die Beine fingen langsam an weh zu tun, aber hier war es ja noch leicht sich zu motivieren, weil der Gipfel ja schon zu sehen war.
Als ich oben war, konnte ich mir allerdings nicht vorstellen, wie das jetzt noch mit dem Timmelsjoch gehen sollte.


Der Jaufen ist geschafft. Jetzt hilft aber nur ordentlich Essen, sonst überlebt man das Timmels nicht mehr! Und außerdem: Squezzy gives you bite! Das werde ich jetzt brauchen!

Aber daran hab ich erstmal versucht nicht zu denken, sondern mich nach kurzer Stärkung auf die Abfahrt bei gesperrter Strasse gefreut
, wo wir dann auch voll Gas gegeben  haben!
Tja und dann ging es los der Scharfrichter des Ötztalers.
Die ersten Kilometer hab ich ja noch Witze gemacht, dass es so steil ja gar nicht ist. Dann hab ich Ossi nach der Uhrzeit gefragt und mich gefreut, dass ich schon so früh hier bin. Ich hab schon viele Männer überholt und mich an Sprüchen wie "Na von sowas lässt man sich ja noch gerne überholen" motiviert. Aber das waren leider nur die ersten Kilometer! Denn es wurde immer heißer und die Beine schwerer. Der Schweiß brannte fürchterlich in den Augen und auch sonst überall Schmerzen! Und noch 23km harter Anstieg in Aussicht! Ich hab zwar immer noch viele Leute überholt, aber war zu kaputt, um mich noch zu freuen.


Man sieht: Das sieht nicht mehr wirklich gut aus!

Ich war Mental ziemlich am Ende, aber Ossi motiviert wunderbar und ich dachte daran, dass es ja letztes Jahr auch so war
und irgendwann der Zeitpunkt kam, wo es plötzlich ganz leicht wurde und nur noch Spass gemacht hat. Also versuchte ich erstmal nur bis zum Flachstück in der Mitte zu denken, wo man sich etwas erholen kann. Das tat auch ziemlich gut und danach konnte ich wenigstens wieder etwas von meiner Umgebung wahrnehmen und mich mit Ossi unterhalten. Leider hat das nur kurz angehalten das einzige was ich dann noch schaffte war daran zu denken bloß nicht abzusteigen und immer die Pedale umzudrehen.


Von der traumhaften Landschaft, hab ich heute leider nichts mitbekommen. Gut, dass ich mich hier gut auskennen, sonst wäre das echt eine Schande gewesen!

Leider kam auch kein Flowzustand wie letztes Jahr sondern jeder Meter war eine einzige Qual. Von meiner Umgebung habe ich fasst nichts mitbekommen. Meine Welt bestand nur noch aus Schmerzen und dem versuch jegliche Gedanken ans Absteigen aus dem Kopf zu verbannen und sich schön aufs Kurbelumdrehen zu konzentrieren und nicht zu vergessen zu essen und zu trinken.


Jeder Meter eine Qual, aber auf keinen Fall als Absteigen denken!

7 Squezzy Cola  habe ich am Anstieg verbraucht und trotzdem war es eigentlich nur Ossis Aufmunterungen, die mich noch auf dem Rad gehalten haben. Selbst die letzen Meter vor dem Tunnel kam kein Triumpfgefühl auf, dazu war ich zu fertig! Erst am Red-Bull-Bogen kam die Gewissheit, das Timmelsjoch ist auch diesmal wieder besiegt. Leider musste ich mich jetzt von Ossi verabschieden, sehr traurig, wo wir uns jetzt lange nicht sehen! Er gab noch Grüsse von Georg mit auf den Weg, wenn ich jetzt nicht unter 11 Stunden bleiben würde, würde ich nie wieder Pizza bekommen! Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war und so dachte ich an die 14 Sekunden vom letzten Jahr und habe auf der Abfahrt alles geben.


Nur keine Sekunde verschenken! Das Blitzfoto zeigt, das war schnell!

Bis zum Gegenhang kann man ja so runterrauschen, aber dann schießt auch sofort wieder der Schmerz in die Beine und diese 2km wollten nicht umgehen, obwohl ich alles auf die Pedale gebracht habe, was noch ging. Aber endlich war die Mautstelle erreicht, also Kette rechts und voll reingetreten, um ja keine Zeit liegen zu lassen. Die anschließenden Serpentinen kannte ich ja bestens und habe jede Menge Leute überholt und bin auch nach jeder Kurve voll angetreten, obwohl die Beine nur noch ein einziger Schmerz waren. An der letzten kleinen Gegensteigung vor Sölden kamen die Krämpfe, aber ich habs einfach ignoriert und noch einen Zielsprint hingelegt und dann war es endlich da, das 200m Schild!


Der Ziel"sprint"
Rechts plötzlich laute Rufe, Andreas und Kahti waren da! Der Zielbogen kam in sicht und ich schaffte es gerade noch zu bremsen und vom Rad zu kommen, dann ging nichts mehr. Ich war echt noch nie so fertig! Bis Andreas und Kathi kamen stand ich einfach nur neben meinem Rad. Ich konnte gar nichts mehr denken, alles war völlig leer.


Mit Josef im Ziel. Man war ich fertig!
Als die beiden dan kamen gabs Umarmungen und Käsebrote und ein Blick auf die Uhr brachte dann die Gewissheit einer genialen Zeit
und endlich auch die Freude es geschafft zu haben!!! Und eine Dusche und eine Portion Nudeln machen auch aus jedem Zombie wieder einen ordentlichen Menschen!
In der Dusche wurde ich dann noch von einem Mädel angesprochen: "Sag mal, hattest Du nicht so eine rote Jacke an? Echt krass wie Du an mir vorbeigeschossen bist in der Abfahrt!"
Sie wollte dann noch wissen, wann ich im Ziel waren und wir stellten fest, dass ich ihr auf der Abfahrt vom Timmels noch 15min abgenommen habe und  da war ich dann langsam auch stolz auf meine Leistung!
Die Fahrt nach Hause hab ich dann echt geschlafen wie ein Toter und nichts mitbekommen. Heute tut alles weh und ich kann mir nicht vorstellen, jemals nochmal auf ein Rad zu steigen. Aber ich denke, morgen sieht die Welt schon wieder anders aus!
Also noch mal Danke an alle, die den Daumen gedrückt haben und besonderen Dank an alle, die mir geholfen haben! Ohne Euch hätte ich das nicht geschafft!



 
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